r Seules les bêtes
Dominik Moll, France, Allemagne, 2019o
Une femme disparaît. Le lendemain d’une tempête de neige, sa voiture est retrouvée sur une route qui monte vers le plateau où subsistent quelques fermes isolées. Alors que les gendarmes n'ont aucune piste, cinq personnes se savent liées à cette disparition. Chacune a son secret, mais personne ne se doute que cette histoire a commencé́ loin de cette montagne balayée par les vents d’hiver, sur un autre continent où le soleil brûle, et où la pauvreté́ n’empêche pas le désir de dicter sa loi.
Seit seinem Krimidebüt Harry, un ami qui vous veut du bien (2000) ist der deutschstämmige Franzose Dominik Moll als ein Filmautor bekannt, der den Menschen nicht allzu viel Standfestigkeit und umso mehr Durchtriebenheit zutraut. Für seine Krimis und psychologischen Dramen erweist sich dieser anthropologische Pessimismus als anhaltend ergiebig, am raffiniertesten wohl in der Charakterstudie Seules les bêtes, die unheimlich anheimelnd zwischen Thriller und schwarzer Komödie changiert. Bei seiner Schweizer Premiere mitten in der Corona-Krise bekam dieser Film nicht annähernd die verdiente Beachtung, umso lieber holen wir seine Deutschschweizer Streaming-Premiere nach. Er spielt im winterlichen Nirgendwo einer kargen Hochebene und handelt von zwei Schafzüchtern, der Frau des einen sowie einer unvermuteten Gefährtin des anderen, die alle von einer jungen Frau im Liebeswahn und von einem fernen Schwarzafrikaner um den Verstand, ihr Geld oder ihre Existenz gebracht werden. Heimlichkeiten und Einsamkeit, Begehren und Missverständnisse schaukeln sich zu stillen, von den Figuren selbst unverstandenen Tragödien hoch, an denen niemand im engeren Sinn Schuld hat – oder alle zusammen kraft der menschlichen Gier und Beschränktheit. Molls berückender erzählerischer Kniff bei dieser Auslegeordnung ist, dass er die Ereignisse mehrfach erzählt, jedes Mal aus der Sicht einer andern Figur: Was anfänglich etwa wie akut befremdliches Verhalten erscheint, wird unversehens verständlich, wenn man die Vorgeschichte und Perspektive der betreffenden Figur kennenlernt. Die Szenen greifen dabei mit der Präzision eines Uhrwerks ineinander, manche Momente wiederholen sich buchstäblich und erscheinen schlagartig in neuem Licht. Nach dem ersten und zweiten Drittel geht Moll gar so weit, dass er ohne Vorwarnung neue Schauplätze und Figuren einführt, doch keine Sorge: Die Dinge klären sich jeweils schnell und jedes Mal zur unserer amüsierten Verblüffung. Muss man noch anfügen, dass die Besetzung durchs Band 1a ist? Laure Calamy, Damien Bonnard, Valeria Bruni-Tedeschi, Denis Ménochet … Wer das französische Kino auch nur ein klein wenig kennt und liebt, weiss, was die können.
Andreas FurlerDe la noirceur teintée de blanc. De l’immensité pour mieux masquer les failles. Le sixième long-métrage de l’auteur d’Harry, un ami qui vous veut du bien fait des étincelles.
Olivier PélissonDémarrant comme un thriller social, Seules les bêtes se mue progressivement en une tragédie imprévisible et pathétique, dont chaque facette dévoile un nouveau piège. Le meilleur film de Dominik Moll.
Simon RiauxLa satire, qui met dans le même sac des paysans innocents du Causse, des bourgeois un peu bobos et des Africains frimeurs, semble alors trop forcée et les personnages un peu trop dérisoires. Cela n’enlève rien à une mécanique presque parfaite et à une construction globale assez retorse pour offrir des surprises et des joies sans cesse renouvelées.
Vincent Ostria

