r Dua
Blerta Basholli, France, Suisse, 2026o
Le quotidien d’une adolescente et sa famille à Pristina à la fin des années 90. Le Kosovo est au bord de la guerre avec la Serbie et Dua, 13 ans, doit choisir entre les injonctions de ses camarades de classe et ses propres envies. Mais les tensions ethniques grondent et le danger se rapproche de sa famille.
Dua Gashi (Pinea Matoshi) ist dreizehn. Sie lebt Ende der 1990er Jahre mit ihrer albanischstämmigen Familie in Pristina. Unterricht gibt es heimlich in einer Privatwohnung, stets in Angst vor der serbisch dominierten Polizei. Hinter dem Wohnblock lauern Übergriffe. Dua hat die tote Schwester einer Klassenkollegin gefunden. Über den serbischen Nachbarn, der ihr zwischen die Beine griff, schweigt sie.
Blerta Basholli (Hive, 2021) greift für ihren zweiten Langspielfilm auf die eigene Biografie zurück, konsequent aus der Perspektive einer Dreizehnjährigen. Popmusik, körperliche Veränderungen und erste Annäherungen gehören dazu. Aber zugleich herrscht Ausnahmezustand. Der Terror ist gesichtslos und umfassend, konkret und einschneidend.
Bashollis Kamerafrau Lucie Baudinaud fasst das in ruhige, unauffällige Bilder. Vieles bleibt ungeschnitten; manches hören wir mit Dua, ohne die Redenden zu sehen. Nichts soll die subjektive Wahrnehmung stören. So wird Duas Angst und ohnmächtige Wut zu unserer eigenen, ohne manipulative Emotionalisierung.
Die mutigere Freundin Maki lehrt Dua im Judo, Angst und Wut als Energiequelle zu nutzen, um das «innere Biest» von der Kette zu lassen. Das wirkt befreiend. Doch Basholli vermeidet jeden Rocky-Triumph: Als Dua sich am Auto und am kleinen Sohn des übergriffigen Nachbarn rächen will, hält Maki sie entsetzt zurück.
In Duas Dilemma spiegelt sich die Entscheidungsnot der ganzen Umgebung. Verstecken, kämpfen oder flüchten? Die Eltern versuchen, Duas Bruder vom Eintritt in die albanische «Befreiungsarmee» UÇK abzuhalten: Was ihm als Ausweg aus passiver Verzweiflung erscheint, sehen sie klarer. So bildet dieser erschütternde, schnörkellos direkte Film auch die heutige Realität von Teenagern in Kriegsgebieten ab.
Michael SennhauserGalerie photoso
